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27.03.2021 erstellt von: Henning Kühl


Radverkehr noch kein gleichberechtigter Verkehrsteilnehmer in Offenbach

Beim neuesten Fahrradklimatest des ADFC konnte Offenbach auch mit einer stark gestiegenen Teilnehmerzahl die in 2018 erreichte Bewertung halten.


Nachdem sich vor 2 Jahren insgesamt 224 Leute an der Umfrage beteiligt haben, füllten nun 587 Menschen aus Offenbach den Fahrradklimatest aus.
Der Radverkehr erfreut sich nicht nur zunehmender Beliebtheit. Es gibt nun auch ein erhöhtes Interesse an guten Bedingungen für den Radverkehr, was zu einer Rekordteilnahme in Offenbach, wie auch sonst in Hessen, führte. Mit einer Note von 3,64 konnte nahezu die gleiche Bewertung wie in 2018 (3,63) erzielt werden. Obwohl dies keine gute Note ist, gibt es keine hessische Großstadt, die besser dasteht. Deutschlandweit liegt Offenbach nun bei den Städten zwischen 100.000 und 200.000 Einwohnern auf Platz 6 von insgesamt 41.

Der gute Wert basiert vor allem auf den Bewertungen für die Fahrradförderung in der jüngsten Zeit (2,5), der Erreichbarkeit der Innenstadt (2,5) und der Werbung für den Radverkehr (2,9). Wenn man sich die letzten 2 Jahre betrachtet, dann sind diese Punkte vor allem ein Erfolg von dem Projekt BikeOffenbach. Hier wurde sehr viel geleistet für den Radverkehr. Die Fahrradstraßen haben die Erreichbarkeit vieler Ziele innerhalb der Stadt verbessert. Aber das Projekt ist noch viel mehr gewesen als nur die Einrichtung von Fahrradstraßen. Auch das Marketing zu dem Projekt gibt dem Radverkehr einen Schub. Die Punkte „Fahrradförderung in der jüngsten Zeit“ und „Werbung für den Radverkehr“ haben sich daher aus der Sicht der Radler wieder verbessern können. Allerdings endet das Projekt in diesem Jahr.

Frankfurt und Wiesbaden wurden in diesem Jahr als Aufholer ausgezeichnet. Deren städtische Radverkehrsinitiativen sind noch nicht fertig. Auch die Stadt Darmstadt, die bei der Bewertung knapp hinter Offenbach liegt, hat aktuell noch viele Projekte in der Pipeline. Hier muss Offenbach noch aktiv werden, damit es nicht beim nächsten Test in 2 Jahren zurückfällt. Nur durch neue Projekte kann Offenbach im Hessenvergleich weiterhin bestehen. Zudem sind die erfolgten Öffnungen der Einbahnstraßen für den Radverkehr (2,1) in Offenbach ein großer Pluspunkt im Test. Hier fehlt nur noch der Ortsteil Bieber.

Dagegen gibt es auch mehrere Punkte, bei denen sich Offenbach im Jahr 2020 beim Fahrradklimatest verschlechtert hat. Dazu gehören die Themen „Akzeptanz als Verkehrsteilnehmer“, „Konflikte mit KfZ“ und die „Wegweisung für Radfahrer“. Während die Wegweisung nur noch zu Recht als befriedigend statt als gut bewertet wird, stehen die anderen beiden Punkte für Probleme, die gerade auch auf den Fahrradstraßen auftauchen. Trotz gestiegenem Verkehrsanteil müssen Radfahrer noch oft ihre Akzeptanz erkämpfen.

Weiterhin gab es mehrere Punkte, die auch dieses Mal sehr oft mit mangelhaft bewertet wurden. Dazu gehört weiterhin die „Falschparkerkontrolle auf Radwegen“(4,9), die „sichere und bequeme Führung an Baustellen“(4,6), das „Fahren im Mischverkehr mit KfZ“ (4,5) und ebenfalls nahezu mangelhaft wurde das Thema „Fahrraddiebstahl“(4,9) bewertet, was für viele Radler ein besonders schweres Problem darstellt. Die aufgeführten Punkte belegen, den mangelnden Stellenwert, den der Radverkehr in den Offenbacher Behörden derzeit hat. Es ist kein sicherer Radverkehr möglich, wenn man aufgrund von Baustellen oder Falschparkern in den fließenden KfZ-Verkehr gedrängt wird. Hier wird man bei Konflikten auch alleine gelassen. Die Note 4,4 bei den Ampelschaltungen für Radfahrer zeugt auch davon, wie wenig an die Interessen des Radverkehrs in den Ämtern gedacht wird.

Offenbach schneidet wieder verhältnismäßig zufriedenstellend beim ADFC-Klimatest ab. Damit dies auch beim nächsten Test möglich ist, muss Offenbach nach Meinung des ADFC bei der Fahrradförderung nicht nachlassen, sondern weitere Projekte starten.
Um eine fahrradfreundliche Stadt zu sein, muss sich allerdings noch viel an der Mentalität ändern. Der Radverkehr muss in der Verwaltung mitgedacht werden und die Interessen als gleichwertig zu anderen Verkehrsteilnehmern gesehen werden. Hier kommt es auch stark auf den politischen Willen im Rathaus an. Hier hofft der ADFC darauf, dass Offenbach den Mut und die Lust dazu hat, die Stadt in den nächsten 5 Jahren radverkehrsfreundlicher umzugestalten. Zum Beispiel kann die Verkehrspolizei sich mehr dem Schutz des Radverkehrs annehmen und für ein besseres Miteinanders auf den Straßen sorgen. Hier ist die Fahrradstaffel aus Frankfurt ein gutes Vorbild.

Hier sind weitere Informationen zum Abschneiden von Offenbach beim Fahrradklimatest 2020 zu finden: https://www.adfc-hessen.de/public_downloads/dokumente/FKT20_HESSEN.pdf


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